Ausschreibung einer Praktikumsstelle für mein Brüsseler Büro

Praktikumsstart 07. September 2026

Dear Interested Parties,
there is again a vacancy for an internship in my team in Brussels!
Bist du Student*in oder gerade mit dem Studium fertig und willst den parlamentarischen Alltag und die Abläufe der EU-Institutionen kennenlernen? Dann bewirb dich und unterstütze mein Team und mich in meiner politischen Arbeit. In meinem parlamentarischen Alltag in Brüssel folge ich mit meinen Mitarbeiterinnen den Ausschüssen für Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (LIBE), Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe (DEVE), Kultur und Bildung (CULT) sowie dem Ausschuss für Haushaltskontrolle (CONT). Außerdem arbeiten wir zu allem, was an den europäischen Außengrenzen und darüber hinaus wichtig ist für Migration und Flucht – das passiert auch längst nicht nur aus dem Parlament heraus.


Tasks

The internship provides insight into various aspects of working for an MEP. These include:

  • Organisatorische und inhaltliche Unterstützung meiner Tätigkeit in den Ausschüssen LIBE, DEVE, CULT und CONT und meinen Delegationen
  • Preparation of technical information, preparation and attendance of committee meetings and delegation meetings
  • Tracking and classifying current political developments at international and EU level
  • Support the entire team with project-related technical research and drafting of texts and briefings
  • Unterstützung im Aufgabenbereich Öffentlichkeitsarbeit: Beantwortung von Bürger*innenanfragen, Unterstützung bei der Erstellung von Pressemitteilungen und Social Media Beiträgen
  • Unterstützung bei der Vor- und Nachbereitung von Veranstaltungen und Besucher*innengruppen

Requirements

  • Good knowledge of and interest in European politics and the functioning of the EU institutions
  • Identification with the goals and values of Green politics
  • quick comprehension, precision, high analytical ability and good judgement
  • Ability to work in a team and high degree of reliability
  • very good written and oral communication skills
  • verhandlungssicheres Deutsch und Englisch, gute Französischkenntnisse von Vorteil
  • abgeschlossenes Bachelorstudium von Vorteil, aber keine Voraussetzung

Scope of duties and remuneration

Es handelt sich um eine Vollzeitstelle (100%) für die Dauer von 4 Monaten ab 07. September 2026, die mit 1.700€/mtl. netto vergütet wird. Arbeitsort ist Brüssel, gelegentliche Reisen, z.B. zur Plenarsitzung nach Straßburg, sind möglich. Eine Immatrikulation ist nicht nötig.

Application deadline

Sende deinen Lebenslauf (max. 1 Seite) und ein Bewerbungsschreiben (max. 1 Seite) jeweils auf Deutsch in einem gemeinsamen PDF-Dokument bis einschließlich 15.03.2026 an erik.marquardt@ep.europa.eu. Please indicate "Internship Application" as the subject line.

Auswahl-Gespräche (per Zoom) finden voraussichtlich in den KW 13 und 14 statt. Wenn die finale Entscheidung getroffen wurde, schicken wir eine abschließende Antwort an alle Bewerber*innen.

I am looking forward to your application!

Syrien 2025: Kein Frieden, keine Gerechtigkeit und kein Ort für Abschiebungen

Rund ein Jahr nach dem Sturz des Assad-Regimes ist Syrien weiterhin von Gewalt, Straflosigkeit und politischer Willkür geprägt. Inszenierte Wahlen und Bilder vermeintlicher Normalität ändern daran nichts. Dennoch wächst in Europa der politische Druck, geflüchtete Syrer*innen in ihr Heimatland abzuschieben. Dabei warnen Expert*innen wie das UN-Flüchtlingshilfswerk eindringlich, dass Syrien viel zu instabil ist, um Rückkehrer*innen zu schützen oder angemessen versorgen zu können. Niemand kann aktuell verlässlich einschätzen, ob das Land einen Weg in eine stabile Zukunft findet oder erneut in Gewalt versinkt.

Machtvakuum, Straflosigkeit und neue Gewalt

Nach dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 übernahm die islamistische Miliz HTS die Kontrolle über Damaskus und beansprucht seither die politische Führung des Landes. Die Verbrechen der Assad-Ära wurden bislang nicht aufgearbeitet; mutmaßliche Täter teilweise sogar freigesprochen. Dieses Klima der Straflosigkeit lässt die Menschen im Land schutzlos zurück. Selbstjustiz, politisch motivierte Tötungen und ein tiefes Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen prägen den Alltag vieler Menschen.

So kam es im März beispielsweise in den Küstenregionen im März zu Massakern an Angehörigen religiöser Minderheiten wie Alawit*innen und Christ*innen, begleitet von Plünderungen und Entführungen. Es herrscht eine Atmosphäre der Angst, in der selbst grundlegende Religionsfreiheit abgeschafft wird.

Der Selbstmordanschlag auf die Mar-Elias-Kirche in Damaskus im Juni 2025, bei dem 25 Menschen getötet und Dutzende verletzt wurden, zeigt, dass selbst zentrale religiöse Orte nicht geschützt sind. Für die Bevölkerung bedeutet dies, dass Räume der Zuflucht und Gemeinschaft zu Orten der Unsicherheit geworden sind.
Besonders dramatisch war auch die Eskalation der Gewalt in der Provinz as-Sweida im Juli. Beduinische Milizen und Regierungstruppen griffen die Provinz an und lieferten sich schwere Kämpfe mit lokalen drusischen Milizen. Dabei wurden über 1.400 Menschen getötet, darunter zahlreiche Zivilist*innen, und mehr als 150.000 Menschen vertrieben. BBC-Recherchen dokumentieren zudem schwere Kriegsverbrechen: Demnach sollen Regierungssoldaten Patient*innen in einem Krankenhaus in ihren Betten erschossen haben sollen. Diese Ereignisse zeigen klar, dass die syrischen Machthaber weder Schutz bieten noch Kontrolle über wesentliche Sicherheitsbereiche besitzen.

Zermürbte Abkommen und verlorenes Vertrauen

Auch im kurdisch geprägten Nordosten Syrien bleibt die Lage instabil. Die Spannungen zwischen den Syrian Democratic Forces (SDF), einer kurdisch geführten Miliz, und der HTS reißen nicht ab. Ein am 10. März 2025 geschlossenes Abkommen sollte zur Stabilisierung der Region beitragen, blieb jedoch weitgehend wirkungslos. Das Scheitern lässt sich vor allem durch die tiefe Verunsicherung in der Bevölkerung erklären: Die brutalen Angriffe in den Küstenregionen und das Massaker in as-Sweida haben die Menschen im Nordosten in Angst versetzt. Viele fürchten, dass sich die Gewalt jederzeit auf ihre Region ausweiten könnte.

Zwar setzt sich die SDF für ein dezentrales Syrien ein, in dem Macht und Verantwortung zwischen Regionen und Zentralregierung geteilt werden, doch die Führung in Damaskus blockiert dieses Modell. Sie betrachtet Dezentralisierung als Vorstufe eines schleichenden Zerfalls des Landes. Entsprechend steht auch ein weiteres Abkommen, das nach erneuten Spannungen in Aleppo im Oktober ausgehandelt wurde, unter schlechten Vorzeichen. Ob es eingehalten wird, erscheint angesichts des tiefgreifenden Vertrauensverlusts derzeit völlig offen.

Scheinwahl statt politischem Aufbruch

Die Parlamentswahl vom 5. Oktober 2025 sollte ein Symbol für einen politischen Neuanfang sein. Stattdessen hat sie deutlich gemacht, wie fest Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa die Macht an sich gerissen hat. Die Wahl war weder frei noch fair, denn al-Sharaa hat sowohl das Wahlverfahren als auch dessen Ergebnis kontrolliert: Nach Dekret Nr. 143/2025 ernennt er ein Drittel der Abgeordneten selbst und bestimmt die Mitglieder der Hohen Wahlkommission. Diese wiederum überwacht nicht nur den gesamten Wahlprozess, sondern bestätigt auch die Vergabe der übrigen Mandate; ein System geschlossener Kontrolle ohne unabhängige Instanzen.

Hinzu kommen bewusst vage formulierte Ausschlusskriterien, die den willkürlichen Ausschluss unerwünschter Kandidat*innen ermöglichen. Unter Vorwürfen wie angeblicher Unterstützung des früheren Regimes oder Spaltung des Landes werden politische Konkurrenten ausgeschaltet. Betroffene erhalten weder Einblick in die Vorwürfe noch die Möglichkeit, rechtlich dagegen vorzugehen. Auch von gesellschaftlicher Repräsentation kann kaum die Rede sein: Die Frauenquote von 20 Prozent bleibt symbolisch, während marginalisierte Gruppen faktisch keine Stimme haben.

In Syrien wurde kein politischer Neubeginn eingeleitet, sondern bestehende autoritäre Machtstrukturen lediglich unter neuem Namen fortgeführt.

Die Folgen für Europa: Politischer Druck statt Schutz

Trotz der katastrophalen Lage im Land fordern Konservative und Rechtsextreme in Europa zunehmend Abschiebungen nach Syrien. Österreich hat bereits erste Menschen nach Syrien abgeschoben. In Deutschland wird die Debatte vor allem vom Bundeskanzler befeuert, der sogar den syrischen Übergangspräsidenten nach Berlin eingeladen hat – eine Person, die noch bis vor kurzem als Terrorist eingestuft wurde. Die Signalwirkung dieser politischen Aufwertung ist deutlich: Sie sendet ein fatales Zeichen der Normalisierung an autoritäre und extremistische Akteure.Lediglich der Außenminister widerspricht der populistischen Rückkehrdebatte deutlich: Nach seiner Syrienreise beschrieb er die Zerstörung als „schlimmer als Deutschland 1945“.

Keine pauschale Asyl-Aussetzung: Karlsruhe stellt BAMF klar in die Schranken

Nach dem Sturz Assads setzte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), wie auch mehrere andere EU-Staaten, Asylverfahren für Syrer*innen zunächst pauschal aus. Begründet wurde das mit einem angeblichen Bedarf an weiterer „Aufklärung“. Das Bundesverfassungsgericht hat jedoch klargestellt, dass eine solche pauschale Aussetzung rechtswidrig ist. Die Lage in Syrien sei hinreichend bekannt, um Einzelfälle zu prüfen. Damit bleibt die rechtsstaatliche Verpflichtung zur Einzelfallprüfung verbindlich und nicht verhandelbar. 

In der Praxis agieren die Behörden dennoch teils zögerlich. Für Betroffene bedeutet das anhaltende Unsicherheit; gerade für jene, die seit Jahren in Deutschland leben, arbeiten und gesellschaftlich integriert sind. Anstelle von Schutz und rechtlicher Klarheit dominiert damit weiterhin politische Abschreckung.

Das Paradox der Abschiebungsdebatte: Fachkräftemangel vs. Schutzentzug

Deutschland wirbt aktiv um Fach- und Arbeitskräfte, gleichzeitig müssen viele erwerbstätige Syrer*innen um den Verlust ihres Schutzstatus fürchten. Wird dieser entzogen, verlieren Betroffene in der Regel automatisch ihre Arbeitserlaubnis. Damit geraten nicht nur jahrelange Integrationsbemühungen ins Wanken, sondern auch die Existenzgrundlage der Betriebe, die auf ihre eingearbeiteten Mitarbeiter*innen angewiesen sind. 

Eine Abschiebepolitik, die über den Entzug von Schutz funktioniert, steht damit neben menschlichen Werten auch in einem starken Widerspruch zu den eigenen arbeitsmarktpolitischen Zielen. Was als migrationspolitische Härte verkauft wird, erweist sich damit auch ökonomisch als kurzsichtig.

Es braucht Schutz statt Symbolpolitik

Angesichts der anhaltenden Gewalt, Straflosigkeit, politischen Willkür und der fragilen Sicherheitslage sind Abschiebungen nach Syrien politisch, humanitär und rechtlich unverantwortlich. Eine verantwortungsvolle deutsche und europäische Politik muss deshalb den Schutz von Geflüchteten in den Mittelpunkt stellen, rechtsstaatliche Verfahren konsequent stärken und gleichzeitig gezielten Druck auf die neuen Machthaber in Syrien ausüben, um demokratische Veränderungen einzufordern.

Außerdem müssen die Hauptaufnahmeländer Türkei, Libanon und Jordanien nachhaltig unterstützt werden. Nur durch eine Verbindung von Schutz, Rechtsstaatlichkeit und internationaler Verantwortung kann langfristig ein Umfeld entstehen, in dem eine sichere und freiwillige Rückkehr überhaupt denkbar ist.

Brief zur Lage im Sudan: EU muss dringend handeln

Gemeinsam mit anderen demokratischen Abgeordneten des EU-Parlaments haben wir uns in einem Brief an Kaja Kallas, die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, gewandt. 

Hintergrund ist die dramatische Eskalation der Gewalt im Sudan nach der Einnahme von El Fasher durch die Rapid Support Forces (RSF) am 26. Oktober 2025. Berichte über Massenmorde, außergerichtliche Hinrichtungen, systematische sexuelle Gewalt, Folter sowie ethnisch gezielte Angriffe zeigen eine massive Verschärfung der humanitären Lage und gefährden die regionale Stabilität. Deshalb fordern wir, unverzüglich zu prüfen, ob die Handlungen der RSF die Kriterien für eine Aufnahme in die EU-Terrorliste erfüllen.

Wir haben die Entwicklungen im Sudan als Europäisches Parlament bereits in einer Resolution vom 27. November 2025 verurteilt. Umso wichtiger ist es, dass über die politische Verurteilung hinaus konkrete Konsequenzen folgen und die Verantwortlichen für diese Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden. Für die Menschen im Sudan darf es keinen weiteren Aufschub geben.

Den ganzen Brief könnt ihr read here.

Neue Studie zu Binnengrenzkontrollen: Symbolpolitik statt Lösungen

Für die Grüne Europafraktion habe ich eine neue Studie zu den Auswirkungen der stationären deutschen Binnengrenzkontrollen in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Sie halten nicht, was sie versprechen. Sie sind teuer, herzlos und nutzlos. Hier könnt ihr die Studie nachlesen. Und hier eine kurze Zusammenfassung:

Politische Sprechblasen statt Fakten

Seit September 2024 kontrolliert Deutschland wieder stationär alle Landesgrenzen ohne absehbare zeitliche Begrenzung– ein klarer Bruch mit den Regeln des Schengener Grenzkodex. Die neue Merz-Regierung spricht von Sicherheit und Asylstopp, doch faktisch haben die Binnengrenzkontrollen weder einen nachhaltigen Einfluss auf die Asylzahlen, noch können sie für mehr Sicherheit sorgen. Die neue Studie von Dr. Marcus Engler, Lea Christinck und Dr. Norbert Cyrus zeigt: Die Begründungen für Binnengrenzkontrollen basieren nicht auf Fakten, sondern auf leeren Versprechen. 

Um Handlungsfähigkeit zu demonstrieren, setzt die neue Regierung weiter auf Symbolpolitik – auch wenn das bedeutet, wissenschaftliche Erkenntnisse zu ignorieren, den Zusammenhalt in Europa zu gefährden und Recht zu brechen.

Teuer, herzlos und nutzlos

Die Grenzkontrollen sind teuer, ineffektiv und gefährden unsere Rechtsstaatlichkeit, während sie gleichzeitig kaum zur Reduzierung irregulärer Grenzübertritte beitragen. Verzögerungen an den Grenzen belasten Handel, Pendelverkehr und grenznahe Regionen massiv. Gleichzeitig warnen die Autor*innen vor einer gefährlichen Normalisierung der Kontrollen, die den europäischen Gedanken von Bewegungsfreiheit und Solidarität untergräbt.

Restriktionen an den Grenzen verhindern keine Migration – sie machen Fluchtrouten gefährlicher, stärken Schleusernetzwerke und belasten das Verhältnis zu Nachbarstaaten. Besonders alarmierend: Häufig treffen die Maßnahmen gerade jene, deren Einreise durch EU- und Völkerrecht eigentlich geschützt ist.

Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick

  • Keine belastbaren Belege für Wirksamkeit gegen Schleusung oder irreguläre Einreisen
  • Einschränkungen für Schutzsuchende, Pendler*innen und die Wirtschaft
  • Klare Verstöße gegen EU-Recht und Aushöhlung des Schengen-Systems
  • Politische Grenzschutzmaßnahmen sollen als Symbol für Sicherheit dienen, entfremden sich aber zunehmend von fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen

Flucht nach Europa: “Auf dieser Route kümmert es niemanden, ob du lebst oder stirbst”

Wer sich auf den Weg nach Europa macht, um dort Schutz oder Zukunftsperspektiven zu finden, geht dabei in der Regel durch die Hölle – oder stirbt. Das zeigt ein neuer Bericht des UNHCR, Mixed Migration Centre and the Internationalen Organisation für Migration (IOM)

Dafür wurden von 2020 bis 2023 mehr als 31.000 Menschen in Italien und mehreren afrikanischen Ländern dazu befragt, was sie auf der Flucht nach Europa erleben mussten. An der Tagesordnung: Folter, körperliche Gewalt, sexuelle Gewalt und Ausbeutung, Versklavung, willkürliche Inhaftierung, Tod, Entführung zur Erpressung von Lösegeld, Menschenhandel, Zwangsarbeit, Organentnahme, Raub, kollektive Ausweisung und Abschiebungen. 

Extreme Gewalt: Es ist schlimmer als je zuvor

Die Daten zeigen, dass sich die Lage im Vergleich zum ersten Bericht von 2020 noch deutlich verschlimmert hat. Schutzsuchende sind auf dem Mittelmeer und der Flucht dorthin weiterhin extremer Gewalt ausgesetzt. Neue Konflikte in der Sahelzone haben die Zahl der Vertriebenen in der Region verdoppelt, insbesondere der Krieg im Sudan. Extreme Armut und die durch den Klimawandel verursachten Naturkatastrophen im Osten und am Horn von Afrika tun ihr Weiteres. In den Transitländern fallen außerdem immer mehr Flüchtende einem starken Anstieg von Rassismus zum Opfer, oft ausgelöst von politischen Entscheidungsträger:innen wie dem tunesischen Autokraten Saied, der gerne gegen Geflüchtete hetzt.

Wenig Schutz entlang der Fluchtrouten, dafür anhaltende Straflosigkeit

Ein riesiges Problem sind mangelnde Sicherheitsnetze entlang der Routen nach und durch Nordafrika. Schutzsuchende sind dort in der Regel völlig auf sich gestellt. Sie müssen Gebiete durchqueren, in denen bewaffnete Gruppierungen und kriminelle Banden sie ausbeuten, missbrauchen, verschleppen. Wird eine Fluchtroute unpassierbar, zum Beispiel, weil sie durch Konfliktzonen führt oder Grenzbeamte dort stärker kontrollieren, verlagern sich die Wege in noch entlegenere Gebiete. Dort sind die Menschen dann wiederum noch größeren Risiken ausgesetzt. Gleichzeitig herrscht faktisch vollständige Straflosigkeit für Schmuggler und andere bewaffnete Gruppen. Im schlimmsten Fall werden sie noch von Regierungen unterstützt, wie zum Beispiel in Libyen.

Wir dürfen uns an diese Geschichten niemals gewöhnen

Organisationen und Staaten entlang der Routen scheinen sich laut des Berichts fast schon an den Missbrauch gewöhnt zu haben, der dort alltäglich stattfindet. Von einem “gefährlichen Gefühl der Resignation” und einem unaufhaltsamen Verlust von Hoffnung ist die Rede. Dabei gibt es sehr wohl Lösungen und Schutzmaßnahmen; mal ganz abgesehen davon, dass sich Staaten im Rahmen des Völkerrechts und anderer Instrumente dazu verpflichtet haben, Leben zu retten und Menschenrechte zu achten. 

Es braucht Friedensanstrengungen, Armutsbekämpfung, konkrete Maßnahmen zum Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Und für diejenigen, die ihr Zuhause verlassen müssen, braucht es sichere Fluchtrouten, humanitäre Visa und Solidarität. In anderen Worten: Wir müssen dringend handeln. 

Aber die “Angst” vor irregulärer Migration und der Unwillen von Regierungen verhindert, dass klar benannt wird, welcher Horror auf den Migrationsrouten geschieht. Mit welchen Akteur:innen man zusammenarbeitet, um Menschen daran zu hindern, nach Europa zu kommen. Und wie lieber weiter Menschen sterben sollen, bevor man hierzulande seiner Verantwortung nachkommt. Spätestens nach diesem Bericht kann niemand mehr sagen, man hätte es nicht gewusst.

EU-Partner setzen Flüchtende in der Wüste aus

Eine Ende Mai erschienene Investigativrecherche, veröffentlicht von u.a. Lighthouse Reports, Spiegel und der Tagesschau zeigt auf, wie  in Marokko, Mauretanien und Tunesien systematisch Menschen von Sicherheitskräften anhand ihrer Hautfarbe aufgegriffen, in Busse verladen und in unbesiedelten, oft Wüsten- Gebieten ausgesetzt werden. Ohne weitere Unterstützung sind diese Menschen – auch Frauen und Kinder – dann auf sich allein gestellt und damit der Gefahr ausgesetzt,  entweder von Menschenhändlern oder Verbrecherbanden aufgegriffen oder im schlimmsten Fall dem Hungertod ausgeliefert zu sein. 

In den letzten Monaten wurden diese Vorfälle nicht nur unzählige Male dokumentiert, der Bericht liefert auch Beweise, dass für diese Vorgänge zum Teil Material wie Jeeps verwendet werden, die von der EU oder ihren Mitgliedstaaten finanziert werden. Deswegen habe ich einen Brief an Kommissionspräsidentin Von der Leyen und  Kommissare Varhelyi und Schinas geschickt, in dem ich meine Besorgnis über diese Erkenntnisse ausdrücke und wissen möchte, ob der Europäischen Kommission die Praxis des „Wüstendumpings“ in nordafrikanischen Ländern bekannt ist und welche Konsequenzen  sich daraus ergeben für die Finanzierung und die menschenrechtliche Sorgfaltspflicht.

Ich habe außerdem einen parteiübergreifenden Brief unterstützt, in dem wir ebenfalls eine Erklärung und eine vollständige Überprüfung der Verwendung und des Einsatzes von EU-Mitteln verlangen. Wir fordern außerdem, diese Mittel im Falle eines Verstoßes gegen die Werte der EU sowie gegen europäische und internationale rechtliche Verpflichtungen unverzüglich einzubehalten.

Study shows: German internal border controls partly contrary to EU law

I have commissioned a critical analysis of Germany's internal border controls for the Green Group in the European Parliament to see whether they are compatible with EU law. You can read the whole study here on German and English read.

The current situation in the Schengen area

The absence of internal border controls is a fundamental principle of European law and the basic principle of the free Schengen area. Although internal border controls in the Schengen area should therefore be a strict exception, there has been a massive increase in these controls in Germany and other member states since 2015. According to the German government, the main reasons for this are more irregular migration, the threat of terrorism and the coronavirus pandemic. However, the question arises as to what extent the reintroduction of these internal border controls is compatible with EU legal obligations.

When internal border controls are permitted

The Schengen Borders Code only allows internal border controls in exceptional situations, for example if there is a threat to the security and order of a Member State. However, internal border controls may only be used as a last resort and may only be reintroduced temporarily, as the European Court of Justice (ECJ) has also confirmed.

The practice in Germany

Germany does not always seem to adhere to these regulations. The various federal governments have repeatedly extended internal border controls, especially at the border with Austria, since 2015. This is a clear violation of EU law. The expert opinion I commissioned comes to the conclusion that there is no legal basis for the controls at the border with Austria, which have been taking place since November 2017 "for reasons of migration and security policy". This means that these controls have been unlawful since then. 

The main problem here is that the German government is referring to increasingly vague risk situations instead of actual threats, as required by the Schengen Borders Code. In addition, border controls are often disproportionate.

Internal border controls are politically motivated

Overall, border controls increasingly appear to have a socio-political symbolic effect. At the same time, the European Commission is finding it difficult to stop this structural erosion of the Schengen Borders Code and is only insufficiently fulfilling its mandate and role as "guardian of the treaties". 

The way the German administrative courts deal with complaints against these internal border controls is similarly problematic. Here, the admissibility requirements are interpreted so narrowly that complaints against internal border controls are dismissed as inadmissible. Those affected therefore currently have no effective legal protection against unlawful internal border controls. This primarily affects EU citizens.

The reform in response – effectiveness to be awaited

After years of systematic misapplication of the Schengen Borders Code, the reform of certain parts of the law was recently completed. You can read more about this here in my briefing. The current reform of the Schengen Borders Code is therefore a response to these challenges. On the one hand, it expands the member states' scope for action, for example in the case of increased migration controls at internal borders. On the other hand, the requirements for Member States' internal border controls are being tightened. Whether this will lead to a reduction in internal border controls in practice depends above all on the Commission's willingness to enforce the new rules of the Schengen Borders Code.

25 successes of green politics in the EU Parliament 2019-2024

Zur gesamten und ausführlichen Übersicht. Und hier nun eine Zusammenfassung:

  1. European Green DealWe have introduced the first EU climate law, set up a European Climate Council and increased the share of renewable energy to 45% by 2030. We have also introduced a social climate fund to support poorer households.
  2. Energy efficiencyNew EU directive on energy efficiency, which sets the target for energy savings at over eleven percent by 2030.
  3. Phasing out combustion engines by 2035 and building a network of charging stations for e-cars.
  4. EU rail networkModernization and interconnection of the EU rail network through the regulation for trans-European transport networks (TEN-T).
  5. EU budget and nature policyAt least 30% of the EU budget is earmarked for climate investments, plus a biodiversity quota in the budget.
  6. Regional promotionGreen and feminist design of European regional funding, with at least 30% of the ERDF regional fund for climate protection.
  7. EU electricity market reform: Measures for a more sustainable and fairer energy market, including enabling energy sharing and banning electricity cuts.
  8. Protection of water birds and marine protectionBan on lead ammunition in wetlands to reduce the poisoning of waterfowl. Initiation of a stronger EU marine protection policy, which led to global agreements for the protection of biodiversity and the high seas.
  9. Supply chainsguidelineIntroduction of laws for sustainable supply chains and a ban on the import of products associated with forced and child labor throughout Europe.
  10. Right to repairEnforcement of a law that obliges manufacturers to repair defective products and gives independent workshops access to spare parts and instructions.
  11. Standard charging cableFrom summer 2024, a standardized USB-C charging cable for cell phones, laptops and cameras will be introduced in the EU, saving resources and making everyday life easier.
  12. Telephone chargesEnforce the abolition of hidden telephone costs within the EU by 2029 to avoid cost traps when making calls.
  13. Battery ordinanceNew regulations to ensure that batteries are replaceable and include stricter recycling requirements for e-car batteries.
  14. Digital Services Act (DSA)Creating a framework to regulate large digital platforms that restricts surveillance and ensures freedom of expression.
  15. AI regulationIntroduction of the world's first comprehensive legal framework for artificial intelligence, which sets ethical and environmental standards.
  16. Chips ActPromotion of semiconductor production in Europe with a focus on environmentally friendly manufacturing and the circular economy.
  17. Critical Raw Materials Act (CRMA)Ensuring that the mining of critical raw materials in Europe takes place in accordance with high environmental and social standards.
  18. Money Laundering ActIntroduction of a comprehensive EU law against money laundering and establishment of an anti-money laundering authority to monitor financial companies.
  19. China policyInfluencing EU-China policy, including a commitment to Uyghur rights and support for the democracy movement in Hong Kong and a response to the New Silk Road.
  20. Ukraine FacilityEnsuring long-term support for Ukraine from the EU, with a focus on compliance with environmental standards and transparency in financial assistance.
  21. Visa-free travel for KosovarsAchieving visa-free entry for citizens of Kosovo into the Schengen area from 2024, which promotes the European integration of the Western Balkans.
  22. Clear edge against OrbanFreezing of EU funds for Hungary due to corruption and violations of the rule of law, with disbursement linked to the restoration of democratic functions.
  23. Istanbul ConventionEU accession to the Istanbul Convention, which implements comprehensive measures to prevent and combat violence against women and domestic violence.
  24. Frontex surveillanceStrengthen fundamental rights monitoring at Frontex, including the establishment of a permanent monitoring group in the European Parliament to oversee the border protection agency.
  25. Minimum Wage DirectiveIntroduction of an EU-wide minimum wage directive that ensures fair wages and obliges countries with low collective bargaining coverage to draw up action plans.
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